Andrea Schelbert

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Andrea Schelbert

Journalistin

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„Hau weg die Scheisse!“

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Jacqueline SchweizerJacqueline Schweizer (45) hat eine gute Nachricht bekommen. Trotzdem erlebt sie Augenblicke, wo sie sich allein gelassen fühlt. Sie verrät, was sie gegen solche Krisen unternimmt und wieso sie sich die Haare abrasierte.
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„Plötzlich sind sie nicht mehr da“

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Die Medikamente, die Jacqueline Schweizer bei der Chemotherapie verabreicht werden.

Die Medikamente, die Jacqueline Schweizer bei der Chemotherapie verabreicht werden.

Jacqueline Schweizer (45) hat sich entschieden, gegen ihren Krebs zu kämpfen. In der Rubrik „Jacqueline kämpft“ werden wir regelmässig über ihren Weg berichten. Heute erzählt sie von einem himmlischen Erlebnis und harten Fakten, mit denen sie konfrontiert wird. (mehr …)

„Ich habe von meinem Tod geträumt“

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Jacqueline SchweizerJacqueline Schweizer (45) wird nicht mehr gesund. Die Ärzte gaben ihr nur noch wenige Monate zu leben. Doch die zweifache Mutter beschloss, gegen die Krankheit zu kämpfen. Ich werde auf diesem Blog regelmässig unter der Rubrik „Jacqueline kämpft“ über sie und ihren Weg berichten.

„Darmkrebs im Endstadium. Metastasen auf der Leber und in den Lymphdrüsen. Es ist zu spät. Wir können Ihnen nur noch lebensverlängernde Massnahmen anbieten.“ Diese Diagnose erhielt Jacqueline Schweizer im Juni 2013. Die Servicefachfrau aus Brunnen plagten damals kolikartige Schmerzen. Wegen Verdacht auf Gallensteine musste sie darum notfallmässig ins Spital Schwyz. Im Krankenhaus folgte die schlimmste Nachricht, die sie je gehört hatte. Wie nimmt man so eine niederschmetternde Diagnose auf? „Es war krass. Ich lag im Bett, als ein Arzt, eine Assistenzärztin und eine Krankenschwester mir diese Diagnose mitteilten. Ich habe die Bettdecke immer höher gezogen. In diesem Moment kam ich mir vor wie beim Henker, der über mich richtet. Ich weinte und dachte: Scheisse, ich bin doch erst 43! Das kann nicht sein, das lasse ich nicht zu! Ich will noch leben!“

Geflucht und geweint
Jacqueline Schweizer sitzt in ihrer Wohnung in Brunnen, als sie von ihrer Krankheit erzählt. Sie spricht viel und schnell, so, als ob all die Worte und Gefühle, die vielen Eindrücke und Erfahrungen aus ihrem Innern nach aussen dringen müssten. 45 Jahre alt ist die zweifache Mutter und gebürtige Baselbieterin kürzlich geworden. Sie wirkt traurig und nachdenklich, als sie sagt: „Ich hatte nicht viel von meinem Leben. Ich musste extrem viel arbeiten um als allein erziehende Mutter überleben zu können. Ich war noch nie richtig in den Ferien, ich habe immer nur geschuftet.“ Die ersten zwei Wochen habe sie im Spital nachts oft auf der Terrasse geflucht und geweint: „Ich sprach mit dem Herrgott und fragte ihn: Warum eigentlich ich? Ich habe doch niemandem etwas zuleide getan. Wenn es dich da oben gibt, dann schick mir ein Zeichen, warum du ausgerechnet mir Krebs gegeben hast.“

„Ein schöner Tod“
Vorboten der Krankheit gab es aber. Jacqueline Schweizer verlor zu Beginn 2012 plötzlich und unerwartet 16 Kilos an Körpergewicht. Sie litt zudem massiv unter Durchfall. „Weil ich keine Schmerzen hatte, dachte ich, Ärger und der berufliche Stress seien die Ursache dafür.“ Doch es folgten weitere Zeichen, die auf eine Veränderung hin deuteten: „Ich verspürte plötzlich den Wunsch, meinen Ex-Mann und andere Menschen, die ich schon über 10 Jahre nicht mehr getroffen hatte, zu sehen. Ich verstand damals nicht, warum das so war. Heute denke ich, dass mein Unterbewusstsein längst wusste, dass etwas mit mir nicht stimmte.“ 3 Tage vor dem Spitaleintritt träumte die zweifache Mutter von ihrem Tod. „Der Traum war sehr real. Ich lag mit einem Verband um den Kopf in einem Zimmer im Spital Schwyz. Meine Familie war da. Ich wusste, dass ich sterben werde.  Und nur einen Tag später träumte ich von meiner Beerdigung“, berichtet Jacqueline Schweizer. Sie habe gezittert, als sie aufgewacht sei. „Doch eigentlich war es ein schöner Tod, weil alle, die ich liebe, bei mir waren.“

Als die Patientin aus Brunnen 2 Tage später im Spital Schwyz von den Krankenschwestern in ihr Zimmer begleitet wurde, glaubte sie ihren Augen nicht zu trauen: Sie befand sich in genau dem Zimmer, von dem sie geträumt hatte, dass sie dort sterben würde. „Ich erkannte das Bild an der Wand sofort wieder. Ich sagte zu den Schwestern, dass ich lieber in einem anderen Zimmer schlafen würde, weil ich hier in meinem Traum gestorben sei. Die Schwestern schauten mich entsetzt an, respektieren jedoch meine Bitte.“

„Wie im Hamsterrad“
An die Stunden nach der schlimmen Diagnose erinnert sich Jacqueline Schweizer nur noch in Bruchstücken. „Ich funktionierte einfach nur noch. Ich fühlte mich wie in einem Hamsterrad, alles hat sich gedreht.“ Sie habe ihre Mutter informiert und sich danach gefragt, wie es mit ihr nun weitergehen solle. „Ich wusste, dass es zwei Möglichkeiten gibt: Entweder ich kämpfe und tue, was mir die Ärzte sagen. Oder ich gebe auf und falle in ein Loch.“ Sie sei ein starker Mensch mit einem weichen Herz. „Ich entschied mich zu kämpfen.“ Später folgte das Gespräch mit dem Onkologen. „Wie lange hat sie noch zu leben?“, fragte die Mutter der Patientin. „Ich weiss nicht, ob sie Weihnachten noch erleben wird“, antwortete dieser.

„Ich bin eine Kämpferin“
Der unbändige Wille und die Entschlossenheit von Jacqueline Schweizer aber zeigen eindrücklich, was möglich ist, wenn man die richtige Einstellung zur Krankheit hat.  3 Tage nach dem Austausch mit dem Krebsspezialisten wurde ihr ein Portkatheter gelegt, um so über diesen Zugang die Medikamente verabreichen zu können. Inzwischen hat die zweifache Mutter und zweifache Grossmutter 36 Chemotherapien hinter sich. Die Ableger auf der Leber sind um die Hälfte geschrumpft. Doch die starken Chemotherapien schwächen den Körper: „Ich bin oft müde und kaputt. Manchmal frage ich mich, warum ich das tue. Doch ich war schon immer eine Kämpferin, das habe ich einfach im Blut“, sagt sie. Trotz all dieser Strapazen gehe es ihr aber dem Umständen entsprechend gut. „Ich weiss, dass ich todkrank bin, doch ich fühle mich nicht so. Mir ist bewusst, dass ich an dieser Krankheit sterben werde. Solange ich jedoch meinen Haushalt allein machen kann, bin ich zufrieden.“

Jacqueline Schweizer sagt, dass sie im Spital Schwyz ein zweites Zuhause gefunden habe. „Dank Anita Mathis von der Krebsliga Zentralschweiz Beratungsstelle Schwyz geht es mir heute so gut. Sie war für mich da, als ich grosse Ängste hatte. Sie hat mir enorm geholfen und viel Kraft gegeben.“ Auch Onkologe Beat Bühlerhabe sie immer unterstützt und motiviert, weiter zu kämpfen. „Ich danke dem Spitalpersonal herzlich für die Unterstützung.“ Grosse Ansprüche ans Leben stellt die 45-Jährige nicht. Ihr grösster Wunsch ist es, die Hochzeit ihrer Tochter miterleben zu dürfen. „Ansonsten bin ich wunschlos glücklich.“

Belastende Ungewissheit
Auf die Frage, warum Gott sie sich für diese Erfahrungen ausgesucht hat, bekam Jacqueline Schweizer inzwischen eine Antwort. „Er gab mir diese Krankheit, damit sich meine Familie wieder näher kommt. Das ist meine Aufgabe“, ist die 45-Jährige überzeugt.  Die Ungewissheit, wie lange sie noch leben darf und wie ihr Leben enden wird, beschäftigt die ehemalige Servicefachfrau. „Ich frage mich, ob ich 50 Jahre alt werde. Doch dann sage ich mir jeweils wieder, dass solche Gedanken nicht hilfreich sind. Ich mache mich nur verrückt damit. Ich will jetzt leben.“

Hinweis: Dieses Gespräch ist dank Mithilfe der Krebsliga Zentralschweiz zustande gekommen. Weitere Informationen unter www.krebsliga.info