Andrea Schelbert

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Andrea Schelbert

Journalistin

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„Wir hatten ständig Angst“

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Aydin Akinci*Erfolgreich integriert: Aydin Akinci, 52, Allrounder, Ibach

30 Jahre nach der Flucht kehrte der Aramäer Aydin Akinci (52) mit seiner Familie in die Heimat zurück. Die Reise wurde zu einer Achterbahn der Gefühle.

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„Ich muss nicht wie eine biologische Frau sein“

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Nadia Brönimann2Serie Begegnungen: Nadia Brönimann, 45, Transsexuelle, Einsiedeln

Ich habe mein Leben bewusst entschleunigt. Ich muss nicht mehr überall an vorderster Front sein und bin trotzdem glücklich. Im Moment erlebe ich starke innere Prozesse», sagt Nadia Brönimann. Sie sitzt in ihrer Wohnung in Einsiedeln und schwärmt vom feinen Dessert, das sie während des Gesprächs geniesst. Dass das Leben auch bittere Momente und Enttäuschungen beinhaltet, musste die Transsexuelle mehrmals erfahren. Drogenprobleme, ein Suizidversuch und Komplikationen nach der Geschlechtsanpassung sorgten für schwierige Zeiten in ihrem Leben. Doch trotz dieser turbulenten Vergangenheit hat Nadia Brönimann zu einer inneren Kraft gefunden, die ihr wieder festen Boden unter den Füssen gibt. «Mein Leben hat sich eine ganz neue Richtung entwickelt. Ich bin ruhiger und zufrie- dener geworden», erklärt sie.

«Das Promi-Leben hat mich isoliert»
Durch ihren offenen Umgang mit der Geschlechtsanpassung wurde Nadia Brönimann in der Schweiz berühmt. In ihren Büchern «Die weisse Feder» und «Seelentanz» schildert sie ihren ganz persönlichen Lebensweg. Zahlreiche Boulevard-Zeitungen und Promi-Magazine interessierten sich in den folgenden Jahren für die Höhen und Tiefen der Transsexuellen. «Das alles hat mir letztlich nicht gut getan. Es war von allem zu viel. Dieses Promi- Leben hat mich in vielem isoliert», weiss Brönimann heute. Inzwischen habe sie eine gesunde Haltung zu ihrer Medienpräsenz. Klatsch- und Tratsch- Geschichten seien keine mehr über sie zu lesen. Die 44-Jährige hat diese Oberflächlichkeit satt. «Ich will nicht als Paradiesvogel, sondern als Persönlichkeit wahrgenommen werden», be- tont sie. Ihr bewusster Schritt in ein bescheideneres Leben hat viel Positives bewirkt. «Ich spüre mich selber wieder viel besser. Ich kann alleine sein und halte es mit mir selber aus. Früher glaubte ich, dass ich mich immer unter die Leute mischen muss, um nicht zu vereinsamen. Heute weiss ich, dass in dieser Ruhe viel Kraft verborgen liegt.» Sie sei froh, dass diese Veränderung stattgefunden habe.

„Ich war perplex“
Nadia Brönimann lässt andere Menschen an ihren Erfahrungen teilhaben. Sie informiert an verschiedenen Schulen, wie sie ihre Geschlechtsanpassung erlebt hat. „Ich tue das sehr gerne. Manchmal versuchen Jugendliche mich zu provozieren. Für mich ist es spannend zu erleben, wie ich sie erreichen kann.“ Trotzdem seien solche Vorträge auch eine Herausforderung. „Ich habe jedes Mal den Ehrgeiz, alles von mir zu geben. Ich betone immer wieder, dass mir alle Fragen gestellt werden können und dass es keine Tabuthemen gebe.“ Bei einem Vortrag vor drei Wochen erlebte die Transsexuelle zum ersten Mal, dass sie nicht allen Wünsche der Schüler und Jugendlichen nachkommen kann. „Eine junge Frau hat mich gebeten, mich auszuziehen und mein Geschlechtsorgan zu zeigen. Ich war für einen Moment perplex. In all den Jahren ist das nie vorgekommen. Natürlich habe ich das nicht gemacht, weil das einen Schritt zu weit gegangen wäre.“ Brönimann gesteht, dass gerade bei Vorträgen die Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte nicht immer einfach sei und Kraft koste. „Ich spüre, dass ich dieses Thema manchmal verdrängen möchte. Es ist für mich schwieriger geworden, immer wieder in meine Vergangenheit einzutauchen.“

Schwierige Gedanken und Zweifel
Die Geschlechtsanpassung von Nadia Brönimann ist über 16 Jahre her. Wie lebt sie heute mit ihrem Körper? „Ich stehe fest und sicher im Leben. Doch inzwischen lasse ich die Frage zu, ob die Operation wirklich der einzige richtige Weg war oder ob es auch möglich gewesen wäre, einen Zwischenweg zu leben. Ich stelle mir die Frage, ob eine Frau wirklich nur dann eine Frau ist, wenn sie eine Vagina besitzt.“ Immer mehr Menschen, die sich im falschen Körper geboren fühlten, würden heute einen Zwischenweg wählen. „Durch den kompletten operativen Eingriff strapaziert man seinen Körper enorm. Viele Menschen wollen das ihrem Körper nicht zumuten. Ich stelle fest, dass sie im Endeffekt gar nicht so schlecht dastehen und einen klaren gesundheitlichen Vorteil haben.“ Die Konfrontation mit solchen Gedanken sei für sie keineswegs einfach. Die Frage, „was wäre  wenn“, tauche zwischendurch auf. „Das fordert mich. Manchmal stelle ich meine Geschlechtsanpassung in Frage.“ Brönimann gibt offen zu, dass ihr Körper seinen Tribut gefordert habe. Die starken hormonellen Veränderungen sorgen bei ihr für gesundheitliche Probleme. Was dies genau bedeutet und welches die Folgewirkungen sind, möchte sie für sich behalten.

„Dieses Ideal werde ich nie erreichen“
Ist es denn überhaupt möglich, sich als biologischer Mann wie eine Frau fühlen zu können oder entspricht dies einer grossen Illusion? „Diese Frage kann ich nicht wirklich beantworten, weil ich ja nicht weiss, wie sich biologische Frauen fühlen. Ich habe durch die Anpassung eine Weiblichkeit erreicht, die für mich stimmt. Ich konnte mich aber erst in dem Moment richtig akzeptieren, wo ich realisiert habe, dass ich gar nicht wie eine biologische Frau sein muss. Dieses Ideal, dem ich früher nachgeeifert habe, werde ich nie erreichen“, weiss die Transsexuelle heute.  Sie sei ein Mensch, der eine weibliche Lebensform gewählt habe. „Es ist für mich beruhigend zu wissen, dass diese Lebensform für mich stimmt.“ Genderfragen würde heute immer mehr thematisiert und würden hoffentlich zu einer vertieften Reflexion und mehr Toleranz führen. „Es stellt sich die Frage, ob wir Menschen es zulassen, dass andere Lebensformen gewählt werden und ob wir solche Menschen in ihrem Sein akzeptieren können.“ Diese Haltung finde sie enorm wichtig. Generell sei es ihr ein grosses Anliegen, auf den respektvollen Umgang mit Minderheiten aufmerksam zu machen. „Weil ich selber erfahren habe, wie es ist, ausgegrenzt zu werden, sehe ich eine Chance und Verpflichtung darin, mich für andere Menschen in ähnlichen Situationen zu engagieren. Ich habe dank meinem Weg das nötige Rüstzeug erhalten, um mich für Randgruppen einzusetzen. Ich darf heute selbstbewusst sein und sagen, dass ich für Transgender-Menschen in der Schweiz etwas bewirkt habe.“

Wunsch nach einer Partnerschaft
Nadia Brönimann ist ein Mensch mit Hoffnungen, Träumen und Sehnsüchten, wie wir sie alle kennen. „Ich hoffe, dass meine zweite Lebenshälfte sinnvoll sein wird. Ich möchte mich engagieren und dabei etwas bewirken. Wenn man jung ist, purzelt man einfach durchs Leben. Doch je älter man wird, desto mehr überlegt man sich, welche Werte einem wirklich wichtig sind.“ Schön für sie sei, dass sie nun in den Spiegel schauen  und sich selber annehmen könne. „Ich lache dabei und sage, dass es okay ist, wie es ist.“ Ein grosser Wunsch von ihr sei, eine neue Liebe zu finden: „Ich bin bereit für eine neue Partnerschaft. Ich wünsche mir eine stabile Partnerschaft, in der man sich gegenseitig den Rücken stärkt und füreinander da ist.“ Dies sei in ihrem Alter nicht mehr so einfach wie mit 20, Flirt-Momente seien seltener geworden. „Für mich ist klar, dass die Fähigkeit, Liebe zu geben, essentiell im Leben ist.“

„Viele Bauern verstehen meine Sprache nicht“

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Toni HürlimannToni Hürlimann aus Walchwil ist ein besonderer Bauer. Seinen Kühen und Kälbern werden homöopathische Kügelchen statt Spritzen vom Tierarzt verabreicht. Die landwirtschaftliche Entwicklung macht ihm Sorgen.

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„Vielleicht brauchen wir eine Lösung vom Himmel“

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Tamim AlanzawiDer syrische Flüchtling Tamim Alanzawi lebt mit seiner Familie in Unteriberg. Der 39-Jährige lebt in ständiger Sorge um seine Verwandten – und ist wütend auf Extremisten. (mehr …)

Gefängnis: „Sie drehen beinahe durch“

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Eugen Koller erlebt als Gefängnisseelsorger Gefühle der Ohnmacht und der Abscheu. „Das grösste Geschenk, das ich für die Insassen habe, ist meine Zeit“, sagt der 55-jährige Theologe.

Eugen Koller 2Eugen Koller, hat Gott einen Platz im Leben der Gefängnisinsassen?
Eugen Koller*: Ja, natürlich! Viele Insassen merken, was sie angerichtet haben. Sie fragen sich, welchen Einfluss das auf ihr Leben oder sogar das Leben nach dem Tod haben wird . Ich erlebe sehr viele Insassen, die eine Ahnung vom Göttlichen in sich haben. Ich habe jedoch auch ganz abgebrühte Menschen kennen gelernt, die es eher gelassen nahmen, dass sie im Gefängnis gelandet sind. Das sind aber Einzelfälle.

Sie sagten einmal, dass Sie das Delikt nie von sich aus ansprechen, die meisten Häftlinge jedoch darüber reden wollen. Warum?
Koller: Ich habe nicht zum Ziel, etwas Differenziertes über die Tat zu erfahren. Ich bin für die Insassen da und nehme entgegen, was bei ihnen im Vordergrund steht. Ob der Insasse über seine letzte Schachpartie vor der Straftat oder über seine Horrorvision spricht, wie er zugestochen hat, spielt mir keine Rolle. Es gibt Insassen, bei denen ich bis zum Austritt nicht weiss, welches Delikt sie begangen haben.

Wenn Sie über die Straftat Bescheid wissen: Gehen Sie mit einem Kinderschänder anders als mit einem Einbrecher um?
Koller: Nein, das kommt für mich überhaupt nicht in Frage! Ich begleite aktuell seit über einem Jahr einen Kinderschänder. Er ist für mich ein Mensch wie jeder andere auch. Doch in der Gefängnishierarchie steht er nicht gut da.

Wie spricht es sich herum, wer welche Straftat begangen hat?
Koller: Wenn die Betroffenen nicht über ihre Straftat reden, ist das verdächtig. Es gibt schon Bewertungen, was eher heldenhaft und was verpönt ist. Es gibt Insassen, bei denen ich Abscheu empfinde und die es auch mir sehr schwer machen, auf sie zuzugehen. Ich muss mich dann auch überwinden. Trotzdem sind sie Menschen, und ich muss mir überlegen, warum sie diese Gefühle in mir auslösen.

Wie viele aller Insassen wünschen sich ein Gespräch mit Ihnen?
Koller: Es ist etwa die Hälfte aller Insassen, die ich begleite.

Haben viele Insassen Suizidgedanken?
Koller: Vor allem kurz nach der Straftat ist Suizid manchmal ein Thema. Diese Menschen haben oft den Eindruck, dass sie sich in einer aussichtslosen Situation befinden. Sie glauben, dass sie das Problem lösen könnten, indem sie sterben. Das kommt vor allem bei Menschen in Untersuchungshaft vor. Ihnen wir langsam bewusst, was sie angerichtet haben und was dies bedeutet. Sie sind, sofern keine Einvernahmen stattfinden und kein Besuch bewilligt ist, 23 Stunden am Tag in einer Zelle isoliert. Auch beim täglichen einstündigen Spaziergang im Gefängnis hof sehen sie den Himmel nur durch das Gitter und zwischen Mauern. Das ist hart, sie sind unruhig, können nicht mehr schlafen und drehen beinahe durch.

Wie trösten Sie diese Menschen?
Koller: Ich probiere, mich in ihre Situation zu versetzen und ihnen Verständnis entgegenzubringen. Ich versuche, ihnen Mut zu machen und Hoffnung zu geben. Manchmal sage ich auch nichts und höre ihnen einfach zu. Ich nehme Anteil an ihrer Ohnmacht und Ausweglosigkeit. Hin und wieder kann ich sie dadurch aufmuntern, dass ich ihnen von anderen Häftlingen erzähle, die es auch geschafft haben, wieder einen Sinn in ihrem Leben zu finden. Ich sage ihnen jeweils, dass wir das gemeinsam schaffen und ich sie begleiten würde. Bei Bedarf können sie auch einen Psychotherapeuten beiziehen.

Gibt es auch Tränen?
Koller: Ja, es gibt sehr viele Tränen. Für die Frauen ist der Umstand, im Gefängnis zu sein und die Straftat akzeptieren zu können, oft schwieriger.

Warum?
Koller: Weil Frauen oft feinfühliger und sensibler sind. Es gibt aber auch ganz viele Männer, die weinen. Ich finde es gut, wenn sie weinen können. Zwar schämen sie sich oft dafür, doch dieser Schmerz, die Ohnmacht und die Trauer dürfen ausgedrückt werden. Wenn das möglich ist, löst sich meistens etwas.

Welche Aufgaben haben Sie als Gefängnisseelsorger?
Koller: Ich bin für die Insassen und das Gefängnispersonal da. In erster Linie be- treue ich aber die Insassen. Sie reden mit mir über den Sinn ihres Lebens, über Gott oder darüber, ob er sie bestraft und ins Gefängnis geführt hat. Auch die Schuldfrage ist immer wieder ein Thema. Sie fragen mich, wie sie damit umgehen könnten, ob ihnen je verziehen werde oder ob sie in die Hölle kämen. Sie stellen sich auch die Frage, wie sie sich den Menschen gegenüber, denen sie Leid angetan haben, verhalten sollten. Jemanden, der tot ist, können sie nicht mehr lebendig machen. Und auch einen Missbrauch oder eine Misshandlung kann nicht rückgängig gemacht werden. Ich bin bereit, mit ihnen über solche Sachen nachzudenken. Ich habe zwar keine Antworten und Rezepte, doch ich verfüge über Lebenserfahrung, eine Ausbildung, und ich tausche mich mit ihnen aus. Das wird geschätzt. Das grösste Geschenk, das ich für sie habe, ist meine Zeit.

Wie gehen Sie damit um, dass all dieses Leid bei Ihnen deponiert wird?
Koller: Das ist meine Aufgabe. Ich bekomme Kraft, dass ich das entgegennehmen kann. Das Gefühl der Ohnmacht ist auch für mich manchmal hart, weil ich nicht direkt helfen kann. Das auszuhalten, braucht sehr viel Kraft. Ich verlasse das Gefängnis manchmal mit den Gedanken: Mein Gott, was ist das für eine Welt? Die Batterien sind manchmal nach so einem Nachmittag im Gefängnis schon ziemlich leer. Wir lachen aber auch viel im Gefängnis.

Was ist das Schrägste, das Sie im Gefängnis erlebt haben?
Koller: Ich bin einem Mann begegnet, der völlig witzig, locker und freundlich war. Kurz nach seiner Entlassung hat er seine Frau getötet.

*Eugen Koller ist als Gefängnisseelsorger im Sicherheitsstützpunkt Biberbrugg SZ und als Pfarreiblattredaktor tätig. Seit dem 1. März arbeitet er zudem als Psychiatrieseelsorger im Sanatorium Kilchberg ZH.

Staatsanwalt: „Jeder trägt Gutes in sich““

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Benno AnnenOberstaatsanwalt Benno Annen (65) geht in Pension. Er hat im Kanton Schwyz einen Filz erlebt, eine seltsame Betreibung erhalten und viele aufwühlende Fälle bearbeitet. Bilanz ziehen will er aber nicht. (mehr …)

„Es ist ein Wunder, dass ich überlebte“

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Christian WenkVon einer Sekunde auf die andere änderte sich sein Leben schlagartig: Christian Wenk wurde vom erfolgreichen Sportler zum Querschnittsgelähmten. 3 Wochen lang rang er mit dem Tod. Der 40-jährige Arzt aus Schenkon schildert seinen eindrücklichen Weg, wie er sich zurück in‘s Leben gekämpft hat. (mehr …)

„Timo hat es mir nachts im Bett gesagt“

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Selten war ich bei einem Gespräch so berührt wie mit Claudia Konietzka. Sie erzählt, wie sie ihren Mann Timo bei seinem Freitod begleitet hat: „Ich habe seine Hand gehalten, bis er eingeschlafen war.“

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Yoga und Gebet statt Pillen

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Axel WolfBegegnungen: Axel Wolf, 41, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Schwyz

„Ich glaube, dass einen das Leben dahin führen kann, wo man auch hingehört“, sagt Axel Wolf. Unfallchirurg wollte der 41-Jährige ursprünglich werden. Doch es sollte anders kommen. „Ich hatte ein sehr romantisches Bild vom Beruf des Unfallchirurgen. In dieser Funktion hätte ich ein sehr hohes Arbeitspensum leisten müssen. Ich musste mir eingestehen, dass das für mich schwierig geworden wäre“, erzählt er. Axel Wolf, gebürtiger Rumäne und im Raum Düsseldorf aufgewachsen, ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH geworden. „Ich finde es sehr schön, dass ich mich mit den Gefühlen und Denkmustern von Menschen auseinandersetzen darf. Jeder meiner Klienten löst bei mir wieder neue Gedanken über mich und meine Lebensweise aus. Diesen persönlichen Reifeprozess finde ich spannend.“

Witzig oder ernst?
An der Rubiswilstrasse 21 in Ibach empfängt Axel Wolf seit 4 Jahren seine Patienten. „Mein Beruf hat ja nicht das beste Image, weil Psychiater oft als schräge, kauzige Typen wahrgenommen werden. Ich habe vor meinem Schritt zur Selbständigkeit überlegt, ob ich ein ernster oder ein humorvoller Psychiater sein will“, verrät Wolf. Er habe glücklicherweise festgestellt, dass das Eine das Andere nicht ausschliesse. „Manchmal lache ich auch über mich selber, weil ich mich dabei ertappe, dass ich meinen Klienten Dinge sage, die ich selber nicht umsetzen kann. Ich denke, dass das menschlich ist“, meint er lachend. Seine Einstellung zum Rollenverständnis zwischen Arzt und Patient klingt bescheiden: „Ich habe erfreulicherweise nicht die Arroganz, mich als den Therapeuten zu sehen, der die Wahrheit gepachtet hat und den Menschen sagt, wo es lang geht. Auch ich kann viel von der Lebenserfahrung und den Problem-Bewältigungsstrategien meiner Klienten lernen“, betont er.

„An meine Grenzen gekommen“
Fakt ist: Axel Wolf ist ein sehr gefragter, erfolgreicher Arzt. „Ich war von der Flut der Klienten, die plötzlich da waren, überrascht. Ich bin während dieser Phase an meine Grenzen gekommen“, gesteht der Vater einer zweimonatigen Tochter. Am Ende des ersten Jahres sei es ihm nicht gut gegangen, weil er zu viel gearbeitet habe. „Ich musste erkennen, dass ich besser auf mich und meine Gesundheit Acht geben muss.“ Er sei zur Einsicht gelangt, dass er seinen Klienten besser helfen könne, wenn er ausgeruht und ausgeglichen sei. Um die Warteliste nicht zu lange werden zu lassen, erweiterte der 41-Jährige sein Praxis-Team. Aktuell kümmern sich zusätzlich vier Psychologinnen um seine Klienten.

Unter welchen Problemen und Situationen leiden die Schwyzerinnen und Schwyzer? „Es sind häufig akute Probleme aus dem Alltag. Dies können Scheidungen, Trauer, Erschöpfung oder Überlastung im Beruf sein. Daneben therapieren wir auch Erkrankungen, deren Ursache nicht nur seelischer, sondern auch körperlicher Natur sind“, antwortet der41-Jährige. Dazu gehören Schizophrenie, bipolare Störungen und schwere Depressionen.

Viele Menschen leiden unter Ängsten
Auch Ängste sind ein grosses Thema in den Therapieräumen von Axel Wolf. Es sind Ängste vor der Zukunft, dem Versagen oder spezielle Angststörungen, mit denen er konfrontiert wird. „Wir helfen diesen Menschen unter anderem, sich zu entspannen, weil Angst und Entspannung zusammen nicht funktionieren.“ Generell gehe es in der Psychotherapie darum, einen Prozess in Gang zu setzen, der zu mehr Autonomie und damit mehr Lebensqualität führe. „Die meisten Menschen meinen, sie würden nach der ersten Therapiestunde mit einer Tüte Psychopillen nach Hause gehen. Sie sind oft überrascht, wenn ich ihnen sage, dass sehr viele Patienten keine Medikamente brauchen.“

Körper, Psyche und Spiritualität
Wolf verfolgt bei seinen Therapien einen ganzheitlichen Ansatz. „Mir ist sehr wichtig, dass die Wechselfunktion von Körper, Psyche und Spiritualität im Zentrum steht. Wenn jemand beispielsweise sehr kopflastig arbeitet und deswegen auf der geistigen Ebene ausgelaugt ist, stellt sich die Frage, wie er zu neuer Energie kommen kann.“ Dank Sport könnte der Betroffene auf der körperlichen Ebene, mit Meditation, Yoga, Achtsamkeits-Übungen oder Gebet auf der spirituellen Ebene neue Kraft finden. Jeder Klient dürfe selber entscheiden, was ihm und seinem Organismus weiterhelfe.

Doch welches sind die Ursachen, die zu Kummer und Leid führen? „Häufig wird die Anhäufung von materiellen Werten höher als die persönliche Entwicklung bewertet. Das finde ich traurig und tragisch. Ich habe eine Vielzahl von Klienten, die zwar materiell und finanziell sehr gut gestellt, trotzdem aber unglücklich sind.“ Durch den Individualismus, den unsere Gesellschaft fördere, verliere die Gemeinschaft an Bedeutung. „Weil wir uns voneinander entfernen, sind wir uns immer fremder. Wir haben darum schneller Angst, weil unser Gegenüber nicht mehr so berechenbar ist. Das führt dazu, dass Kontakte abgebrochen und wir immer einsamer werden“, so Wolf. Dies sei ein hoher Preis, den wir bezahlen würden. „Menschen sind Herdentiere. Ich wünsche mir, dass sich auch die Gemeinschaft weiter entwickeln wird.“

„Der Tod ist ein Übergang“

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Pfarrer Franz Baumann„Es gibt auch hier auf Erden eine unsichtbare Welt“, sagte Pfarrer Franz Baumann aus Ibach/SZ.  Vor knapp einem Jahr ist er im Alter von 74 Jahren verstorben. Aus Anlass zu seinem Todestag veröffentliche ich hier nochmals das Gespräch mit ihm. Franz Baumann erklärte damals, was für ihn die Hölle bedeutet und warum er nicht gern über den Tod philosophiert.

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