Andrea Schelbert

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Journalistin

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„Ich spürte Gott intensiv“

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Suganthy neu„Gott hat unserem Sohn geholfen“, ist die Hindu-Gläubige Suganthy Suthaharan (42) aus Brunnen überzeugt. Sie bekam schon einige Jahre zuvor ein klares Zeichen von ihm.

Es war eine schwierige Zeit. Suganthy Suthaharan hatte grosse Angst um ihr Baby, betete jeden Tag. Die Tamilin verbrachte 3 Monate im Schweizer Spital. Wegen Gefahr auf Frühgeburt musste sie 2010 für lange Zeit still im Spitalbett liegen. Ihr Mann pilgerte nach Lourdes um dort für das Wohl seines Kindes zu beten. Sohn Maathulan kam letztlich 6 Wochen zu früh auf die Welt. „Bei der Geburt fragte ich meinen Mann als Erstes, ob unserem Baby nichts fehlt. Ich dachte, dass er durch die Frühgeburt möglicherweise gesundheitliche Schäden erlitten hatte“, erzählt Suganthy Suthaharan. Glücklicherweise war dem nicht so. Zwar musste Maathulan noch für einen Monat im Spital bleiben, doch er sollte gesund und ohne Einschränkungen aufwachsen. „In diesem Moment spürte ich Gott sehr intensiv. Ich wusste, dass er uns und unserem Kind geholfen hat.“ Die 42-Jährige Frau aus Sir Lanka erzählt diese Geschichte daheim in Brunnen, während Sohn Maathulan einen Trickfilm schaut. Sie blickt kurz zu ihrem Jungen hinüber, so, als ob sie sich vergewissern wollte, dass es ihm gut geht.

Buddha, Jesus und Ganesh nebeneinander
Suganthy Suthaharan glaubt an den Hinduismus, doch sie stellt ihre Religion nicht über alle anderen Glaubensrichtungen. „Ich denke, dass Gott für alle der Gleiche ist. Es sind die Menschen, die einen Unterschied daraus machen. Es spielt mir auch keine Rolle, zu welchem Gott man betet“, erklärt sie. Im Hinduismus etwa gebe es viele verschiedene Götter. „Ich sehe das nicht so eng“, meint sie lachend. „Kommen Sie, ich zeige Ihnen etwas“, sagt sie und begleitet die Schreibende in ihr Schlafzimmer. Sie deutet auf ein Möbelstück und zeigt stolz auf die verschiedenen Skulpturen. Figuren von Buddha, Jesus, Ganesh und Maria thronen hier unmittelbar nebeneinander. Was in vielen Köpfen gläubiger Menschen wohl unvorstellbar ist, hat die gebürtige Asiatin in ihrem Zimmer möglich gemacht. „Ich besuche auch andere Kirchen und bete dort“, erklärt sie.

Schlimmer Bürgerkrieg 
Diese Offenheit überrascht, doch vielleicht hat auch der Bürgerkrieg in Sri Lanka seine Spuren hinterlassen. Durch die Unterdrückung der Tamilen kam es 1983 zum gefürchteten Bürgerkrieg zwischen den meist hinduistischen Tamilen und den vorwiegend buddhistischen Singhalesen. Suganthy Suthaharan spricht nicht gerne darüber. Ihre Stimme wird leiser, als sie nur wenige Sätze darüber sagt. Etwa, dass ihr Schwager deswegen gestorben sei und ihre Mutter sie darum 1999 zusammen mit ihrem Ex-Mann in die Schweiz schickte. „Sie hatte Angst um mich.“ Doch das Leben in der Schweiz sollte zu einer Herausforderung werden. Zwar gab es in der neuen Heimat Frieden, Stabilität und Sicherheit. Doch die arrangierte Ehe verlief keineswegs glücklich. „Mein Ex-Mann war nicht gut zu mir. Er war hier in der Schweiz arbeitslos, während ich viel arbeitete. Er gab mir kein Geld und ich konnte meine Familie in Sri Lanka nicht besuchen. Von Kindern wollte er auch nichts wissen“, berichtet die 42-Jährige.

Trotzdem: Die Trennung von ihrem Mann sie nicht einfach gewesen. „Ich wartete lange, bis ich meine Mutter informierte. Ich erklärte ihr, wie schlecht er mich behandelte. Schliesslich beschloss meine Familie, dass es das Beste für mich sei, mich scheiden zu lassen.“ Unterstützung bekam die Frau aus Sri Lanka von einer Schwester vom Kloster Ingenbohl. „Sie half mir, Deutsch zu lernen und schrieb die Briefe an den Anwalt. Ich bin überzeugt, dass mir auch hier Gott geholfen hat. Wenn wir um Hilfe beten, folgt immer eine Antwort von ihm. Für mich war dies ein klares Zeichen, dass meine Gebete erhört wurden.“

4 Jahre lang blieb Suganthy Suthaharan allein in der Schweiz, doch ihre Mutter hielt es für besser, sie wieder zu verheiraten. Die Tradition schreibt vor: Eltern haben mehr Lebenserfahrung, also bestimmen sie den Partner ihrer Kinder. „Natürlich hätte ich mir meinen Mann gerne selber ausgesucht. Doch in meiner Kultur wäre das nicht vorstellbar. Ich hätte viele Probleme mit meiner Familie bekommen und wäre am Schluss allein gewesen“, erklärt die 42-Jährige. Dieses Mal sollte sie allerdings mehr Glück haben. „Mein zweiter Mann ist sehr lieb. Jetzt ist alles gut“, sagt sie lachend. Ihrem Sohn Maathulan wolle sie solche Erfahrungen jedoch ersparen. „Er soll selber bestimmen, wen er heiraten will. Wichtig ist, dass sie sich lieben und lange zusammen bleiben.“

Ihr grösster Wunsch
Suganthy Suthaharan hat keine grossen Ansprüche an‘s Leben. Sie ist es sich gewohnt, viel zu leisten, damit es ihrer kleinen Familie gut geht. So arbeitet sie während der Woche am Abend jeweils als Reinigungskraft in der Seeklinik in Brunnen. Und auch am Wochenende hilft sie dort aus und sorgt dafür, dass die Zimmer der Ärzte und Patienten wieder sauber sind. Auch ihr Mann ist in der Seeklinik tätig. „Ich vermisse meine Heimat und meine Familie sehr. Nach den Besuchen in Sri Lanka bin ich immer sehr traurig“, gesteht sie. Ihr Mann rede oft davon, später, wenn ihr Sohn alt genug sei, wieder nach Sri Lanka heimzukehren und dort den letzten Lebensabschnitt zu verbringen. „Mein grösster Wunsch ist, dass es mein Sohn besser als ich haben wird. Mir war es wegen des Bürgerkriegs leider nicht möglich, einen Beruf zu lernen. Ich hoffe, dass er eine Lehrstelle finden wird und ein schönes Leben geniessen kann. Letztlich wissen wir aber nie, was Gott für uns geplant hat.“

Serie „Im Namen Gottes“
In der Schweiz herrscht Religionsfreiheit. Jede Person hat das Recht, ihre Religion und ihre weltanschauliche Überzeugung frei zu wählen und allein oder in der Gemeinschaft mit anderen zu bekennen. Welchen Stellenwert hat die Religion im Leben der Schwyzerinnen und Schwyzer? Wie erleben oder spüren sie Gott? In der Serie „Im Namen Gottes“ werden Menschen verschiedener Glaubensrichtungen vorgestellt.

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