Andrea Schelbert

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Journalistin

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Bisistal: Jetzt wurde der Jackpot entdeckt

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Bisistal„Ein Team von Archäolgen grabt derzeit im Bisistal. Am Wochenende wurde ein sensationeller Fund ausgegraben.

Sie sind Jäger und von ihrer Passion Getriebene zugleich. Sie folgen ihren Instinkten, immer mit dem Fokus, spannende, archäologische Funde zu entdecken. Hier im oberen Bisisthal gibt es jedoch Lebewesen, die den Spürnasen einen Schritt voraus sind: Die Murmeltiere haben die Forschungsgruppe gewittert und kündigen deren Besuch mit ein paar Pfiffen an. Der Muotathaler Lehrer Walter Imhof (58) und der Archäologe Urs Leuzinger (49) schreiten zügig voran, während ihnen weitere Forscher und Forscherinnen folgen. Der Zustieg zur Berglibalm ist steil und führt über saftiges Weideland Richtung Wald. Dort, hinter Bäumen und Sträuchern versteckt, liegt der Tatort, die Berglibalm. Da wollen sie, die erfahrenen Archäologinnen und Archäologen, graben und forschen. „Zu Beginn einer solchen Forschungsexpedition existiert immer etwas Unsicherheit. Man weiss nie, was auf einen zukommen wird. Genau das macht jedoch den Reiz eines solchen Projekts aus“, sagt Urs Leuzinger.

Es war einmal mehr der Muotathaler Lehrer Walter Imhof, der im Sommer 2014 in der Berglibalm auf 1140 Metern über Meer einen sensationellen Fund machte. Der vierfache Familienvater fand Holzkohle aus der Mittelsteinzeit. Die wissenschaftlichen Analyse bewies, dass bereits 8400 vor Christus Menschen im Bisistal anwesend waren. Dies bedeutet, dass der Hobby-Archäologe auf die bisher älteste nachgewiesene Feuerstelle im Kanton Schwyz gestossen war. Imhof, den die Einheimischen auch Knochenjäger oder Knochenhofer nennen, arbeitet mit Forscherinnen und Forschern von Universitäten, Kantonsarchäologien und naturwissenschaftlichen Instituten zusammen. „Wir sind uns von ihm vieles gewöhnt. Doch sein Fund im Bisistal ist etwas vom Besten, was er je aufgespürt hat. Die entdeckte Feuerstelle aus der Mittelsteinzeit ist sensationell und für den Kanton Schwyz von höchster Bedeutung“, gab der Thurgauer Archäologe Urs Leuzinger damals bekannt. Und so brauchte Imhof wenig Überzeugungskraft, um die rund 10-köpfige Forschungstruppe ein weiteres Mal zu einer 10-tägigen Expedition zusammen zu trommeln.

„Ich bin richtig heiss!“
Während die Archäologen ihrem Ziel entgegen laufen, Würste, Brot und Süssigkeiten über die Kuhweide schleppen, gesteht Urs Leuzinger: „Ich bin richtig heiss! Dank der Holzkohle wissen wir, dass es in der Berglibalm auch Steinwerkzeuge gegeben haben muss. Danach suchen wir“, sagt der 49-Jährige. Auch sein Studienkollege, der Basler Reto Jagher, ist optimistisch: „Wenn wir den Jackpot finden, wird es richtig spannend. Damit können wir den Nachweis einer Siedlungsstelle erbringen.“ Jede Fundstelle sei für ihn wie eine Wundertüte: „Die Faszination dabei ist, dass Wissen relativ ist und sich schnell verändern kann. Mit jedem Loch, das man gräbt, und mit jeder neuen Datierung wird das Mosaik noch komplexer. Mit der Zeit muss man viele seiner alten Ideen über Bord werfen“, erklärt der 56-Jährige.

Geschafft! Die muntere Truppe ist am Tatort angekommen. 86 Meter breit ist der natürliche Felsüberhang mit Wasserfall. Der imposante Unterstand bot nicht nur Jägern, sondern auch Hirten und Tieren Schutz vor Wind und Wetter. Urs Leuzinger und Walter Imhof vermessen die Fundstelle und erstellen einen Plan, während sich Simone Benguerel einen Pickel schnappt und kräftig zulegt. Kollegin Claudia Beck schaufelt die Erde in einen Eimer. Der Inhalt wird anschliessend in ein Sieb geschüttet und von Reto Jagher und Christine Pümpin sowie Caroline Leuzinger unter die Lupe genommen. “Knochen kann man von Steinen unterscheiden, indem man sie auf die Zunge legt. Denn Knochen kleben an der Zunge“, weiss Christine Pümpin.

„Wir haben etwas“, ruft Caroline Leuzinger schon nach wenigen Minuten. Die anderen eilen herbei und bestaunen den Teil eines Halswirbels. Wenig später wird ein weiterer, winziger Fund vermeldet. „Das ist ein abgebrochener Zahn einer Maus“, weiss Imhof sofort. Von ihrem unbändigen Eifer und ihrer Leidenschaft angetrieben, sucht die Gruppe weiter.

Begeisterung
Inzwischen ist klar: Die Grabungen haben sich gelohnt. Die Spezialisten entdeckten weitere, bedeutungsvolle Funde: Wildtierknochen, Holzkohle, Bergkristall- und Ölquarzitabschläge wurden in der Balm gefunden. Und zum ersten Mal wurden in Muotathal Feuersteinwerkzeuge, darunter mehrere Geräte ausgegraben. „Diese Funde bestätigen unsere Theorie, dass in der Steinzeit Menschen im Bisistal waren. Das, was ich mir erhoffte, ist nun eingetroffen. Das ist aussergewöhnlich und bringt unsere Wissenschaft weiter“, ist Urs Leuzinger überzeugt. Zum Wochenende dann sogar das Sahnehäubchen. „Wir spürten die erste Geschoss-Spitze auf. Wahrscheinlich reparierte ein Jäger vor 10‘000 Jahren seinen Jagdpfeil.“

„Der Druck ist weg“
Auch Walter Imhof ist begeistert: „Für mich ist das ein riesiger Erfolg! Denn es braucht Mut, diesen enormen Aufwand zu betreiben, das Geld vom Kanton einzufordern und die Spezialisten hierher zu holen.“ Letztlich gebe es keine Garantie für erfolgreiche Grabungen. „Der Druck ist nun weg. Unsere gemachten Funde sind eine grosse Genugtuung für mich.“

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