Andrea Schelbert

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Journalistin

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Von Freiheit, Tränen und exklusiven Wünschen

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Samir Ulrich neuSerie Begegnungen: Samir Ulrich, 24, Helikopterpilot, Schwyz

Verschneite Berggipfel bestaunen. An schroffen Felshängen vorbei fliegen. Grenzenlose Freiheit spüren: Die Schweiz aus der Luft entdecken zu dürfen, ist ein grosses Privileg. Der Schwyzer Samir Ulrich hat das geschafft, wovon viele Menschen träumen: Der 24-Jährige hat die Prüfung als Helikopterpilot bestanden und darf im Auftrag von Swiss Helicopter von Pfaffnau aus jeweils am Wochenende Rundflüge mit Passagieren fliegen. „Wenn ich fliege, dann ist das für mich zwar auch Arbeit, viel mehr jedoch Vergnügen. Jeder Flug ist ein unvergessliches Erlebnis“, schwärmt der Pilot, der hauptberuflich als Helikoptermechaniker bei der Ruag in Alpnach tätig ist.

Vor Freude jauchzen
3.5 Jahre und eine ganze Stange Geld investierte Samir Ulrich um sich seinen Kindheitstraum zu erfüllen. „Seit ich denken kann, träume ich vom Fliegen. Schon als Bub war ich von Helikoptern fasziniert. Als ich mit 11 Jahren in einem Helikopter mitfliegen durfte, war ich restlos begeistert. Seither war für mich klar, dass ich Berufspilot werden will“, erzählt er. Schon bei seinem ersten Flug ohne Fluglehrer habe er vor Freude gejauchzt. „Mit dem Helikopter zu fliegen, ist ein sehr schönes Gefühl. Jedes Mal ist es wieder anders. Für mich ist jeder einzelne Flug ein Highlight.“

Ursprünglich absolvierte Samir Ulrich eine Lehre als Automatiker. Nach der Rekrutenschule begann er mit zwei weiteren Ausbildungen: Einerseits liess er sich bei der Ruag in Alpnach zum Helikoptermechaniker weiterbilden, andererseits startete er mit seinem Weg zum Berufspiloten. Gesundheit, Psyche und Leumund der angehenden Berufspiloten wurden bei Ausbildungsbeginn eingehend kontrolliert. Danach folgte eine anstrengende Zeit: 5 Tage die Woche war der Schwyzer bei der Ruag als Lernender tätig und samstags hob er ab in die Luft. Während dieser Zeit blieb nur wenig Freiraum für Hobbys. Während einige Berufskollegen während der Ausbildung aufgeben mussten, arbeitet Samir Ulrich konsequent auf sein Ziel hin. „Ich war sehr motiviert. Die Theorie hat mich jedoch einige Nerven gekostet“, berichtet er lachend. Diese sei teilweise zu wenig praxisbezogen gewesen. „Die grösste Herausforderung für mich war sicher die Finanzierung. Wer in der Schweiz Berufspilot werden will, muss die Ausbildung selber bezahlen“, sagt der Berufspilot. Bis zu 200‘000 Franken kosten Ausbildung und die 185 obligatorischen Flugstunden insgesamt. „Ich hätte mir das gar nicht leisten können. Glücklicherweise fand ich immer wieder Freunde, Verwandte und Bekannte, die während der Ausbildung mit mir flogen und so meine Flugstunden bezahlten.“

Inzwischen ist Samir Ulrich viele verschiedene Rundflüge mit Passagieren geflogen. Besonders schön sei ein Flug mit einem Schüler gewesen. Dieser war an Leukämie erkrankt und bekam nach der Genesung von seinem Götti einen Flug geschenkt. „Wir sind daheim bei seiner Familie gelandet. Bei anschliessenden Apéro kamen auch Nachbarn und Verwandte vorbei und feierten gemeinsam. Das war für mich etwas vom Schönsten, was man erleben kann.“ Der Schwyzer schätzt es, dass er viele Menschen mit seiner Begeisterung vom Fliegen anstecken und ihnen eine Freude machen kann. So durfte er mit einem Muotathaler Älpler über seine Alp fliegen und beobachten, wie dieser zu Tränen gerührt war. Und mit einem älteren Schwyzer, der nicht mehr laufen konnte, flog er zu einigen Berggipfeln, die dieser früher bezwungen hatte. „Diese Nähe zu den verschiedensten Menschen schätze ich sehr“, sagt Samir Ulrich.

Auf dem Schwyzer Hauptplatz landen?
Manchmal haben seine Passagiere aber auch komische und spezielle Wünsche. „Jemand wollte, dass ich mit ihm auf dem Schwyzer Hauptplatz lande. Andere fragen, ob sie auf einem Gipfel wie beispielsweise dem Matterhorn aus dem Helikopter springen dürfen. Natürlich sind solche Sachen nicht möglich. Ich habe mich an klare Regeln zu halten.“ Das Wichtigste für ihn sei, seine Grenzen zu erkennen und diese auch konsequent einzuhalten. „Es gibt beim Fliegen viele Gefahren. Man muss sich darum immer bewusst sein, wo die persönlichen Grenzen sind. Wer risikofreudig ist, hat in der Luft nichts verloren.“ Vor allem als ein sehr guter Kollege von ihm 2011 mit einem Puma im Maderanertal in Uri abstürzte, wurde Samir Ulrich bewusst, dass einem auch beim Fliegen Grenzen gesetzt sind. „Lange herrschte Ungewissheit, ob die Piloten und mein Kollege überlebt hatten. Sie hatten grosses Glück. Dieser Unfall hat mich geprägt.“

Samir Ulrich Traum ist, künftig für Swiss Helicopter Transportflüge zu fliegen. Dafür ist viel Geschick und Präzision gefragt. „Ich möchte dies machen, weil ich dann viel in den Bergen wäre und jeden Tag und bei fast jedem Wetter fliegen könnte“, sagt er.

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