Andrea Schelbert

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Journalistin

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Schwester Imelda kritisiert katholische Kirche

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Schwester Imelda2Die Machtverhältnisse in der Kirche beschäftigen Schwester Imelda (70) vom Kloster Ingenbohl. Sie hat einen innigen Wunsch an Papst Franziskus.

„Gott ist für mich das grosse Geheimnis im Leben. Er ist in mir und auch in allen anderen Menschen. Gott zu spüren bedeutet für mich das Bewusstsein zu haben, dass wir von etwas Höheren abhängig sind“, sagt Schwester Imelda Steinegger vom Kloster Ingenbohl. Die 70-jährige Urnerin setzt sich immer wieder mit der Frage auseinander, was wesentlich im Leben einer Nonne ist. „Es gab eine Zeit, wo ich eine vollkommene Schwester sein wollte, die schon mit 30 Jahren heilig gesprochen wird. Und jedes Jahr beobachtete ich, dass der Weg der Vollkommenheit noch schwieriger wird“, erzählt sie lachend. Sie habe darum festgestellt, dass es viel wichtiger sei, eine Balance zu finden, damit ihr Glaube zu keiner sturen Tendenz führe. „Dank verschiedenen Erfahrungen mit anderen Menschen spürte ich, dass es im Leben einer Ordensfrau vor allem darum geht, immer offen für Gott und die Menschen zu sein. Auch Jesus hat uns das vorgelebt.“

Schwester Imelda ist in Flüelen aufgewachsen. „Von meinen Eltern habe ich gelernt, meine Überzeugungen zu leben und den Mut zu finden, etwas in Frage zu stellen“, sagt sie. Während der Ausbildung zur Lehrerin am Theresianum Ingenbohl spürte sie den Wunsch, ihr Leben Gott zu widmen. 1966 legte sie ihre Profess ab. „Ich wollte durch mein Dasein und meinen Glauben die Welt im besten Sinne verändern. Mein Glaube wurde zu einer Beziehung zu Gott, die in meinem Leben grundlegend und mein grösstes Ziel war“, erzählt sie. Die Sehnsucht nach neuen Erkenntnissen und Erfahrungen habe sie immer begleitet.
Gleich nach der Profess begann Schwester Imelda das Studium an der Universität Zürich.  Nach dem Abschluss der Ausbildung folgte der erste Einsatz als Lehrschwester an der Mädchensekundarschule Gossau/SG, dann am Theresianum Ingenbohl. Danach unterrichtete die Ordensfrau über 30 Jahre im Freiburger Institut Guglera. Diese Arbeit erfüllte sie. „Bildung ist für mich einer der wichtigsten Beiträge an die Menschheit“, sagt sie. 2007, als das Institut mangels Personal geschlossen wurde, kehrte Schwester Imelda auf den Klosterhügel zurück. Sie ist aktives Mitglied des tauteams, ein Kreis aus einer Ordensschwester, einem Ordensbruder und der Verantwortlichen der Franziskanischen Laien-Gemeinschaft Schweiz.

„Falscher Weg“
Die Situation in der katholischen Kirche gibt Schwester Imelda zu denken: „Die patriarchalen Machtverhältnisse in der Gesellschaft und in der Kirche beschäftigen mich sehr. Jesus hat sich unter die Bevölkerung gemischt und mit den Menschen auf Augenhöhe kommuniziert. Wenn es wahr ist, dass Gott wirklich Mensch geworden ist, dann würden die Christen und vor allem Exponenten der Kirche sich nicht in Legalismus und Dogmatismus verstricken, sondern müssten barmherzig handeln und echte Hirten sein, wie es Jesus vorgelebt hat. Das durch Jahrhunderte aufgebaut Konstrukt aus Macht, Klerikalismus und Triumphalismus müsste hart hinterfragt werden.“ Die 70-Jährige versteht nicht, dass Frauen in der Kirche die Gleichstellung verwehrt wird, obwohl sie ja die ersten Verkünderinnen der Auferstehung waren und schon vorher Jesus gefolgt sind – sogar bis unter das Kreuz. Ihr Wunsch an Papst Franziskus wäre darum, dass in der Kirche die Gleichwertigkeit und Würde von Mann und Frau als Ebenbilder Gottes vorgelebt würden. „Dies könnte sich vielleicht auch positiv auf andere Religionen auswirken.“

„Sehr bedauerlich“
Dass Pfarrer Bucheli öffentlich bestraft wurde, weil er ein lesbisches Paar segnete, kann die Schwester nicht verstehen. Jemanden zu segnen bedeute, Menschen Gutes zuzusprechen. „Wo sind wir denn, wenn in der Kirche den Menschen nicht mehr Gutes zugesagt werden darf?“ Die Schwester wünscht sich, dass die Bischöfe und Kleriker nicht so sehr von dogmatischen Festlegungen aus vergangenen Jahrhunderten geleitet werden:„Vielmehr müsste das Leben und Wirken Jesu, wie es im Evangelium berichtet wird, Richtschnur für kirchliche Bestimmungen sein. Ich finde die Machtspiele und Verurteilungen innerhalb der Kirche sehr bedauerlich. Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“

Schwester Imelda hat zwei schwere Erkrankungen überlebt. Mittlerweile weiss sie, dass sie mit ihrem Körper liebevoller und achtsamer umgehen muss. Angst vor ihrem Tod hat sie keine. „Wenn ich jetzt sterben würde, hätte ich nicht alles aufgeräumt. Für mich wäre es schlimm, wenn ich diese Arbeit meinen Mitschwestern überlassen müsste“, sagt sie. Sie liebt das menschliche Leben, achtet es und ist dankbar dafür. „Ich weiss längst, dass wir alle Schwestern und Brüder sind, wie es der Apostel Matthäus im Evangelium festgehalten hat. Er sagte: Nennt euch nicht Lehrer, nur einer ist euer Meister. Es wäre schön, wenn dies in der Kirche zum wichtigen Grundsatz würde.“

Serie „Im Namen Gottes“
In der Schweiz herrscht Religionsfreiheit. Jede Person hat das Recht, ihre Religion und ihre weltanschauliche Überzeugung frei zu wählen und allein oder in der Gemeinschaft mit anderen zu bekennen. Welchen Stellenwert hat die Religion im Leben der Schwyzerinnen und Schwyzer? Wie erleben oder spüren sie Gott? In der Serie „Im Namen Gottes“ werden Menschen verschiedener Glaubensrichtungen vorgestellt.

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