Andrea Schelbert

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Journalistin

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Mit Urvertrauen in die Ferne

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Monika GwerderMonika Gwerder (53) gibt Einblick in ihr Leben als Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft. Sie erzählt von Einbrüchen, Malaria und Nelson Mandela.

„Nach Hause zu kommen ist immer wieder schön. Andere Menschen machen Ferien im Ausland, ich komme jeweils heim nach Muotathal“, sagt Monika Gwerder. Die 53-jährige Muotathalerin ist seit 1989 für diverse Schweizer Botschaften und seit August 2011 als Betriebsleiterin der Schweizer Botschaft in Pretoria/Südafrika tätig. 33 Personen arbeiten dort, Monika Gwerder ist für das Personal, die Sicherheit, Gebäude und administrative Arbeit verantwortlich. Sie ist direkt dem Botschafter Christian Meuwly unterstellt.

Zwei Einbrüche in Johannesburg
Sicher ist: Monika Gwerder besitzt ein Urvertrauen. „Ich habe eine positive Einstellung und bin überzeugt, dass diese Grundhaltung auch mein Leben positiv beeinflussen wird“, erklärt sie. Über Gefahren und abenteuerliche Erlebnisse spricht sie nur, wenn man sie gezielt danach fragt. Die zwei Einbrüche in ihr damaliges Haus in Johannesburg hat sie längst verarbeitet. Beide sind glimpflich ausgegangen, weil sich die Diebe aus dem Staub machten, nachdem Monika Gwerder mit dem Panik-Button den Alarm auslöste. Dass sie an der Elfenbeinküste zweimal an Malaria erkrankte, erwähnt sie ebenfalls nur beiläufig. „Malaria war für die Menschen dort ähnlich, wie für uns Europäer eine Grippe ist. Man hat mit dieser Krankheit gelebt, weil sie einfach ein Teil des Lebens war.“

10 Stunden-Einsätze sind für sie in Pretoria die Regel, manchmal stehen auch abends noch Anlässe auf dem Programm. „Wir arbeiten hart. Die Personalführung nimmt viel Zeit in Anspruch, weil die Mitarbeitenden mit den unterschiedlichsten Anliegen zu mir kommen. Eine Herausforderung meiner Arbeit besteht darin, die Menschen mit den verschiedenen Mentalitäten und Kulturen so zu führen, dass Harmonie im Team existiert und wir effizient arbeiten können. Das tue ich mit viel Freude.“ Sie geniesse die Abwechslung und die vielseitigen Aufgaben. „Ich weiss am Morgen nie, was alles auf mich zukommen wird. Jeder Tag ist anders. Das schätze ich.“ Die grösste Herausforderung für sie sei, sich immer wieder in neuen Ländern mit anderen Kulturen und Menschen anzupassen. „Man beginnt immer wieder von vorne. Je älter man ist, desto schwerer fällt es einem.“

In Südafrika fühlt sich die Muotathalerin sehr wohl: „Pretoria ist meine zweite Heimat. Ich bin dort zum dritten Mal auf Posten“, sagt sie. Mit nur knapp 800‘000 Einwohnern auf 580 Quadratkilometern ist Pretoria die flächenmässig grösste Stadt von Südafrika. Sie liegt auf 1500 Metern über Meer und ist ländlich geprägt. In Pretoria gibt es nur wenige öffentliche Verkehrsmittel. „Wegen der Sicherheit und der grossen Distanzen ist man immer im Auto unterwegs. „Das Leben spielt sich in den Einkaufszentren ab, wo sich auch Restaurants, Kinos und Vogelvolieren befinden.“ Die Situation zwischen der weissen und schwarzen Bevölkerung hat sich laut Monika Gwerder verbessert. „Leider gibt es immer noch grosse Unterschiede, was sich auch nur langsam ändern wird. Das Schöne jedoch ist, dass die Jugendlichen den verschiedenen Rassen gegenüber offen sind.“

Missverständnis mit dem Gärtner
Die letzten 26 Jahre hat Monika Gwerder grösstenteils im Ausland verbracht und über 90 Länder bereist. Immer wieder erlebt die 53-Jährige auch amüsante Situationen. Etwa, als ihr Gärtner ihre Hecke vor dem Haus ein wenig schneiden sollte, er jedoch alle Bäume radikal beseitigte. Oder als inzwischen der verstorbene Nelson Mandela eines Tages bei der Schweizer Botschaft in Pretoria anrief und fragte, wo er für seine Stiftung Schweizer Schokolade kaufen könne. „Wir wussten nicht, ob es sich um einen Scherz eines Radiosenders handelte oder ob wirklich Nelson Mandela am Telefon war. Wir erklärten ihm, er solle sich doch bei einem Schweizer Schokoladenhersteller melden. Einige Tage später stellte sich heraus, dass Nelson Mandela bei einer Schweizer Firma wirklich sehr viel Schokolade bestellt hatte.“

„Eine Lebensschule“
Monika Gwerder ist sehr dankbar für die vielen Erfahrungen, die sie sammeln durfte: „Ich denke, dass man im Ausland mehr lernt, als wenn man immer am gleichen Ort lebt. Und der Sinn und Zwecks des Lebens besteht ja darin, Neues zu lernen. Meine Arbeit als Angestellte der Schweizer Botschaft ist zugleich eine wertvolle Lebensschule“, betont sie. Ihre Wurzeln jedoch werde sie nie verlieren. „Dadurch, dass ich bei meiner Arbeit die Schweizer Interessen und Werte vertrete, spüre ich meine Wurzeln täglich. Ich bin stolz, Schweizerin zu sein.“

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