Andrea Schelbert

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Journalistin

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„Der Tod ist ein heiliger Augenblick“

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Hartmut SchüsslerDer reformierte Pfarrer Hartmut Schüssler (50) würde Homosexuelle in der Kirche segnen. Er verrät, warum uns auch das Böse zum Guten dienen kann.

„Gott spüre ich sehr unterschiedlich. Das kann bei der Umarmung meiner Frau, beim Lesen eines Bibeltextes oder bei einer nächtlichen Wanderung unter freiem Sternenhimmel sein. Solche Begegnungen sind immer vom Gefühl begleitet, nicht allein zu sein“, sagt Hartmut Schüssler. Der 50-jährige Pfarrer ist seit knapp 11 Jahren für die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Brunnen-Schwyz tätig. In dieser Funktion kümmert er sich um rund 2200 reformierte Christen. „Die Gemeinschaft ist mir sehr wichtig. Ich finde es schön, dass Menschen zusammen kommen und sich gegenseitig Kraft geben“, sagt der Vater von zwei erwachsenen Kindern. Die Weltpolitik und die Frage, wie die Kirche einen Impuls zum Frieden geben kann, liegen ihm ebenfalls am Herzen. „Man darf nicht mit Aggression auf Gewalt reagieren.“

Rückblickend fällt Pfarrer Schüssler auf, dass sich die Art der Kommunikation verändert hat. Im Alltag versuche er, über Briefe, die Kirchenpresse und das Internet mit den 2200 Kirchenmitgliedern in Kontakt zu treten. Doch er bekomme nicht zwingend eine Reaktion. „Bei einem Sonntagsgottesdienst ist es möglich, sich auf natürliche und ungezwungene Weise zu begegnen. Dass ich mit vielen Menschen nur indirekt kommunizieren kann, stellt eine Belastungsprobe für meine Beziehungsfähigkeit dar. Eine besondere Herausforderung meiner Arbeit ist zu spüren, wie es jemandem geht, dem ich nur unregelmässig begegne.“

Umgang mit Trauer
In der Seelsorge wird der gebürtige Deutsche oft mit finanziellen Problemen konfrontiert. Auch Menschen im Asylbereich, die am Existenzminimum leben, suchen bei ihm Rat. Daneben unterstützt Pfarrer Schüssler seine Gläubigen  vermehrt bei den Themen Partnerschaft, Trennung und Trauer. Was rät er Gläubigen, die über lange Zeit hinweg traurig und betrübt sind? „Haben Sie viel Geduld mit sich selber. Erinnern Sie sich an das Gute, das Sie im Leben erfahren haben und bewahren Sie es im Herzen.“ Es sei gut, wenn sich Menschen in Trauer ohne schlechtes Gewissen unter die Gesellschaft mischen würden. Wer jedoch das Gefühl habe, in Traurigkeit zu versinken, sollte mit einem Seelsorger oder Trauerbegleiter Kontakt aufnehmen. „Ich begleite Trauernde im Glauben, dass man sich nicht ängstigen soll, weil uns auch das Böse zum Guten dienen kann. All das, was uns passiert, ist nicht einfach blindes Schicksal, sondern wir sind geborgen in der Liebe Gottes, weil er uns auch in dunklen Momenten nicht fallen lässt.“

Hartmut Schüssler ist in der Nähe von Bonn aufgewachsen. Schon in der Jugendzeit hatte er den Wunsch verspürt, sein Leben mit Jesus zu leben. Als Kirchenvertreter will er den Menschen Mut zur Nachfolge Jesus machen. Er träumt von einer Kirche, die als welt- und lebensoffene Gemeinschaft auf andere Menschen zugeht, das Leben aber auch im kleinen Kreis feiern kann. „Solche Begegnungen sind wohltuende Atempausen im Alltag.“

Segen für homosexuelle Paare
Offen und tolerant ist der evangelisch-reformierte Pfarrer auch, wenn es um die Segnung von homosexuellen Paaren in der Kirche geht. „Ich kenne das Paar, das Pfarrer Bucheli gesegnet hat, zwar nicht persönlich. Doch ich glaube, dass Segen darauf liegt, wo zwei Menschen sich lieben und sich Treue und Beständigkeit für ihre Partnerschaft wünschen. Wir sollten alles dafür tun, dass Menschen in verlässlichen Beziehungen leben können. Gerne spreche ich allen Paaren, die so leben wollen, Gottes Segen zu.“

Auch zum Tod hat der erfahrene Seelsorger eine natürliche Einstellung:  „Der Tod gehört wie die Geburt zum Leben. Der Tod ist für mich ein Übergang in eine andere, bisher verschlossene Welt ist. Das Beste wird also noch kommen“, sagt er lächelnd. Wer als Pfarrer arbeite, werde oft ans Sterbebett gerufen. „Für mich war es schon immer so, dass der Tod kein Schreckensmoment, sondern ein heiliger Augenblick ist. Wenn sich am Ende des Lebens Stille und Friede ausbreiten, hat das einen besonderen Zauber.“

Serie „Im Namen Gottes“
In der Schweiz herrscht Religionsfreiheit. Jede Person hat das Recht, ihre Religion und ihre weltanschauliche Überzeugung frei zu wählen und allein oder in der Gemeinschaft mit anderen zu bekennen. Welchen Stellenwert hat die Religion im Leben der Schwyzerinnen und Schwyzer? Wie erleben oder spüren sie Gott? In der  Serie „Im Namen Gottes“ werden Menschen verschiedener Glaubensrichtungen vorgestellt.

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