Andrea Schelbert

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Journalistin

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„Der Krebs hat mein Leben umgekrempelt“

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Jacqueline SchweizerJacqueline Schweizer (45) leidet an Krebs im Endstadium. In der Rubrik “Jacqueline kämpft” berichten wir regelmässig über ihr Leben. Heute erzählt sie, welche Konsequenzen die Medikamente haben und was sie glücklich macht.

„Ich bin eine Powerfrau. Doch in der Woche nach der Chemotherapie ist alles anders. Dann fühle ich mich müde und kraftlos und es kommt vor, dass ich bis 11 Uhr schlafe und am Nachmittag trotzdem schlapp und ausgelaugt bin. Das sind schwierige Momente für mich, weil ich dann spüre, dass ich nicht mehr so viel Kraft habe.

Inzwischen habe ich 39 Chemotherapien hinter mir. Und ich beobachte, dass die Medikamente ihre Spuren hinterlassen. Ich werde langsam aber kontinuierlich schwächer. Darüber, wie viele Medikamente ich für den Kampf gegen den Krebs einnehmen oder mir spritzen lassen muss, mache ich mir keine Gedanken. Ich bin dankbar und froh, dass mein Körper recht gut auf die Chemotherapie reagiert. Andere Krebskranke müssen mehr leiden. Ich bin trotz allem zufrieden. Natürlich ist mir bewusst, dass es viele Menschen gibt, die gesund sind. Doch die haben vielleicht ganz andere Probleme.

„Das wühlt mich auf“
Mit meiner Situation hadere ich selten. Nur wenn ich im Fernsehen oder Internet Berichte und Reportagen von anderen Menschen lese, die an Krebs leiden, werde ich traurig. Erst kürzlich erfuhr ich von einer jungen, krebskranken Frau in Deutschland. Es ging ihr sehr schlecht. In solchen Situationen weine ich und mir wird klar: So könnte es mir auch mal ergehen. Eines Tages wird das auf mich zukommen. Das wühlt mich auf. Die Vorstellung, dass ich mich eines Tages von meiner Familie verabschieden muss, tut mir weh. Dann kommt es manchmal vor, dass ich zu grübeln beginne. Nachts träume ich dann auch viel schräge Sachen. Glücklicherweise dauern solche Phasen nie lange. Ich sage mir schnell wieder: Das alles ist noch weit weg, das Jetzt ist wichtig.

Der Krebs hat mein ganzes Leben umgekrempelt. Mir ist bewusst geworden, dass ich in zu viel arbeitete und meinen Körper zu wenig Aufmerksamkeit schenkte. Mein Arzt sagte nach der Diagnose zu mir, dass es nun an der Zeit sei, ein Egoist zu werden und an mich selber zu denken. Ich müsse meine Bedürfnisse nun an erster Stelle setzen. Zu Beginn hatte ich grosse Mühe damit. Mittlerweile geht es einigermassen. Doch abends, wenn ich bete, denke ich zuerst immer an die anderen und zuletzt an mich. Das war schon immer so.

Schönes Wetter macht mich glücklich. Ausserdem bin ich gerne in Gesellschaft von Menschen. Ich habe viel Freude an Blumen. Ich kann mich über Kleinigkeiten freuen. Das war schon früher so. Menschen, die sich über das Wetter ärgern, habe ich nie verstanden. Letztlich hat doch jedes Wetter seine schönen und spannenden Seiten. Es ist alles bloss eine Frage der Einstellung.“

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