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Wetterschmöcker: „Sie spüren nicht, wann es gefährlich ist“

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Peter Suter neu„Viele Menschen haben das Bewusstsein für die Natur weitgehend verloren“, sagt Wetterprophet Peter Suter. Die Natur zu spüren, war aber nicht immer ein Segen für ihn.

Welcher Vogel verrät die Entwicklung des Wetters? Was bedeutet es, wenn die Weinbergschnecken auf die Sträucher kriechen? Und welches Wetter ist zu erwarten, wenn die Schwalben tief fliegen? Wetterschmöcker Peter Suter kennt die Antworten. Der 88-jährige Muotathaler blickt von der warmen Stube nach draussen. Ein heftiger Schneesturm tobt. Für den Wetterpropheten sind solche Stürme keine Besonderheit. „Stürme hat es schon früher gegeben. Ich frage mich nur, was sich Menschen denken, die sich bei solchem Wetter in der Nähe von Wäldern aufhalten“, meint er nachdenklich und spricht damit das Unglück in Deutschland an. In der Nähe von Montabaur im Westerwald stürzte diese Woche ein Baum auf ein Dienstfahrzeug, die beiden 21 und 23 Jahre alten Insassen wurden tot geborgen. „Viele Menschen haben das Bewusstsein für die Natur weitgehend verloren. Sie spüren nicht mehr, wann es draussen gefährlich ist“, sagt Suter.

Von den Fliegenden
Der Muotathaler Wetterfrosch aber kennt die Zeichen der Natur wie kaum ein anderer. Er ist der älteste und erfahrenste der insgesamt 6 Wetterschmöcker. Schon in seiner Kindheit lernte er von seiner Mutter Kathrina Schelbert auf die Hinweise in der Natur zu achten. Seine Eltern waren Bauern und gingen im Sommer im Gebiet Stoos z‘Alp. Die Familie teilte sich dann in zwei Gruppen, die Heuer und die Viehhüter, auf.  Suter lebte auf der oberen Alp und war zusammen mit seinem Bruder für das Vieh zuständig. Auf der unteren Alp arbeiteten die Heuer. „Wir mussten immer auf die Fliegenden achten“, berichtet er. Damit meint er die grossen Waldameisen. „Wenn sie fliegen, ist das ein klares Zeichen dafür, dass es bald regnen wird.“

Weinbergschnecken statt Spielzeug
So wurde er von seiner Mutter oft gefragt, ob er Fliegende auf dem Weg zur Alp sah. War dies der Fall, musste er gleich wieder umkehren und den Vater benachrichtigen, dass das Heu so schnell wie möglich ins Trockene gebracht werden muss. „Damals gab es noch kein Telefon. Ich hätte es manchmal lieber nicht erzählt, doch ich getraute mich natürlich nicht, meine Mutter zu belügen.“ Tiere und Wolken habe er jedoch «usinnig gärä» beobachtet. Weil sich die 7-köpfige Familie keine Spielzeuge leisten konnte, sammelte Suter einige Weinbergschnecken, baute diesen aus Steinen und Hölzern einen Stall und hütete diese wie das Vieh. Wenn es regnete, liess er sie ziehen. „Dumm war nur, dass sie nie zurück gekommen sind“, erzählt er lachend.

Auch das Rauschen der Bäche, die Form der Wolken und das Singen der Vögel beobachtet der langjährige Wetterfrosch bei seinen Prognosen. Seine Prognosen für Frühling und Sommer verraten darf er noch nicht. Am 24. April wird sich an der Generalversammlung der Innerschwyzer Wetterpropheten zeigen, wer das beste Gespür für den Winter 2014/15 hatte.

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