Andrea Schelbert

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Journalistin

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Die Liebe hat gesiegt

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Trudi und Ivan Vidmar.

*Erfolgreich integriert: Ivan Vidmar, 67, Berufsmusiker und Dirigent, Brunnen

Der Slowene Ivan Vidmar (67) suchte in Österreich sein Glück. Die Liebe sollte den Berufsmusiker jedoch auf neue Wege führen.

Nur mit einer kleinen Reisetasche und einer grossen Portion Mut im Gepäck war er 1969 losgezogen. Der Slowene hatte es satt, jeden Monat Geld von seinem Mitbewohner ausleihen zu müssen. Ivan Vidmar, damals 22, entschied sich, sein Glück im Ausland zu suchen. „Ich wollte meine finanzielle Situation verbessern. Mein Onkel war Politiker und erzählte mir, dass eine österreichische Band einen Trompeter sucht. Ich habe mich sofort gemeldet und die Stelle bekommen“, erzählt der 67-jährige Berufsmusiker. In Österreich verdiente er mehr als das Doppelte als daheim. Nur zwei Jahre wollte er von seinem Zuhause in Slowenien fernbleiben. Doch es sollte alles anders kommen.

Ivan und Trudi Vidmar-Auf der Maur sitzen in ihrer warmen Stube in Brunnen. Zusammen gehalten haben sie während den letzten 44 Jahren wie Pech und Schwefel. Sie, die temperamentvolle, geschäftige Schweizerin, die sich selber als „Plaudertasche“ bezeichnet, wurde die grosse Liebe des eher ruhigen und bescheidenen Slowenen. Ausgerechnet im Zürcher Niederdorf, das in den 70-er Jahren als verrucht galt, lernten sie sich kennen. Sie arbeitete damals in Zürich als Sekretärin, er war mit der Band Original Lechtaler Buam aus Tirol auf Tournee. Amors Pfeil sollte seine Wirkung nicht verfehlen, als sich die beiden dank einer Kollegin zum ersten Mal trafen. „Alles ist ohne Plan passiert“, sagt Trudi Vidmar. Die Liebe sei stärker als die Vernunft gewesen. „Ein Musiker ist ja fast nie daheim. Eigentlich suchte ich ein eher ruhigeres Leben. Doch für mich war sein Leben als Musiker spannend und speziell“, sagt die 64-Jährige.

Vertrauen
Die Liebe des Paares wurde lange auf die Probe gestellt. Während die Schwyzerin in der Schweiz blieb, war der Slowene mit der Band in Europa unterwegs. „Eine Frau, die einen Musiker heiratet, muss stark sein. Man muss viel Vertrauen haben und grosszügig sein, sonst geht man innerlich kaputt oder macht den anderen verrückt. Damals habe ich das noch nicht realisiert“, erzählt sie. Sie habe manchmal beide Augen zudrücken müssen erklärt sie und blickt schelmisch zu ihrem Ehemann. „Dank unseres gegenseitigen Vertrauens haben wir es hingekriegt.“

Nach 10 Jahren Beziehung entschied sich das Liebespaar zu heiraten. Zwei Jahre später wurde ihr erster Sohn Marko geboren, 1985 folgte Boris. Trudi Vidmar war von da an als Hausfrau und Mutter tätig, während Ihr Mann Ivan nach seiner Ausbildung zum Tennislehrer auf dem Tennisplatz seine Brötchen verdiente. Später liess sich der Musiker am Konservatorium Luzern zum Dirigenten weiterbilden. Es folgten Aufträge als Musiklehrer und Dirigent, unter anderem in Brunnen und Muotathal. „Ich hatte in meinem Leben pures Glück“, erklärt Ivan Vidmar lächelnd. Das Meiste habe sich spontan und ohne grosse Pläne seinerseits entwickelt. Doch stimmt das wirklich? Oder war vielleicht der Charakter des friedlichen und warmherzigen Slowenen ausschlaggebend für den Erfolg?

Eine lange Nacht in Muotathal
Die Muotathaler mindestens schlossen ihn sofort in ihre Herzen. 1996 wurde Vidmar gefragt, ob er Interesse hätte, Trompeter zu unterrichten. Einige seiner Musik-Kollegen waren skeptisch. „Ob das gut gehen wird? Traust du dich als Slowene in Muotathal zu arbeiten?“, fragten sie ihn. Doch Vidmar hörte nicht auf sie. „Ich wollte es probieren.“ Wieder waren es sein Mut und seine Unvoreingenommenheit, die dafür sorgten, dass er in Muotathal ein ganz besonderes Kapitel in seinem Leben aufschlagen würde. „Ich habe keine Sekunde lang Intoleranz oder Rassismus erlebt. Ich habe grossen Respekt vor diesen Menschen, weil sie mich vorurteilsfrei aufgenommen haben“, betont er. Ein Jahr später wollte ihn der Musikverein Muotathal als Dirigenten verpflichten, doch er lehnte dankend ab. Er liess sich allerdings dazu überreden, eine Probe am Dienstagabend zu besuchen. „Nach der Probe trafen wir uns im Alpenrösli. Mein Gott, war das ein Erlebnis! Bis 2 Uhr frühen haben sie Musik gemacht!“ erzählt der 67-Jährige lachend. Nach diesem Abend war die Sache klar: Nur mit einer mündlichen Vereinbarung und ohne je einen Vertrag unterschrieben zu haben, dirigiert der Slowene seither den Musikverein. „Für die Muotathaler würde ich meine Hand ins Feuer legen. Sie sind sehr offen und direkt. Wenn ihnen etwas nicht passt, schauen sie dir in die Augen und sagen es. Das gefällt mir.“

Dass die Integration von Ivan Vidmar gelungen und so erfolgreich verlaufen ist, verdankt er vor allem seiner Frau Trudi. Sie sei es gewesen, die viel organisiert und ihm ein abwechslungsreiches Leben als Musiker und Dirigent ermöglicht hätte. „Ich bin ihr dafür sehr dankbar“, betont der zweifache Familienvater. Obwohl das Paar inzwischen ein eher ruhiges Leben in Brunnen führt, ändern sich gewisse Sachen auch im Alter nicht: „Er ist ein Globetrotter geblieben und möchte oft wegfahren“, berichtet seine Frau. Im September 2014 wurde das Ehepaar Grosseltern von Janis. „Damit ist unser Familienglück nun perfekt“, sagen Vidmars.

*Serie Erfolgreich integriert

Integration schafft kleine Schritte in Richtung Chancengleichheit. Auch im Kanton Schwyz gibt es zahlreiche Beispiele, die zeigen, dass Integration gelungen ist. Der „Bote der Urschweiz“ stellt darum in seiner Serie „Erfolgreich integriert“ Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen vor, die eingebürgert wurden. Sie erzählen, was sie dazu bewogen hat, ihre Heimat zu verlassen, und wie sie sich in der Schweiz fühlen.

Ivan Vidmar wurde 1992 erleichtert eingebürgert. „Natürlich spüre ich meine Wurzeln in Slowenien. Inzwischen fühle ich mich aber mehr als Schweizer“, sagt der 67-Jährige. Menschen, die vor einer Einbürgerung stehen, rät er, sich anzupassen. „Man darf seine eigene Kultur niemandem aufzwängen. Ich glaube aber auch, dass man zu sich und seiner Nationalität stehen muss. Es ist immer gegenseitiges Verständnis nötig.“ Letztlich gelinge eine Integration vor allem dann, wenn man sich Mühe gebe, sein Gegenüber und dessen Kultur zu verstehen.

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