Andrea Schelbert

Herzliche Willkommen bei Andrea Schelbert

Andrea Schelbert

Journalistin

Navigation mit der rechten und linken Pfeiltaste.

„Ich habe tagelang geweint“

Share Button

KSaskia John aus Luckenwalde/DE unterzog sich zweimal einer Dunkeltherapie. Die 51-jährige Heilpraktikerin verbrachte erst 12 und später 24 Tage fastend – in völliger Dunkelheit. Einmal am Tag kam ihr Begleiter für eine Stunde zu einem Gespräch vorbei. Beide Reisen in die Tiefen ihrer Seele dienten der Bewusstseinserweiterung. Die Deutsche hat dabei faszinierende und beängstigende Begegnungen gemacht – und Abgründe wie auch Ekstase erfahren.

Was hat Sie motiviert, in völliger Dunkelheit auszuharren?
Saskia John:  Für mich hatte der Aufenthalt in der Dunkelheit den Charakter einer Abenteuerreise in ein unbekanntes Land. Daher waren meine Grundgefühle – neben der Angst, die auch vorhanden war – Neugier sowie Forscher- und Entdeckerfreude, die mich auch durch die Krisenzeiten getragen haben. In der Dunkelheit entblättert sich das Sein des Menschen wie eine Zwiebel: mit jeder Schicht taucht Neues auf, das Fragen aufwirft, die wiederum die Neugier entfachen und zum Weitergehen anregen. Im Grunde genommen ist die Dunkelheit genauso spannend wie ein im Jetzt erlebter Tag – allerdings mit anderen Gesetzen, die nur durch eigene Erfahrung erfasst und verstanden werden können.

Wie hat Ihr Umfeld auf Ihre Pläne reagiert?
Saskia: Überwiegend mit Unverständnis und Angst, aber auch mit Bewunderung für meinen Mut.

Wo hat das Experiment statt gefunden?
Saskia: Die Dunkeltherapie fand im Schwarzwald, dem Wohnort meines Begleiters, statt.

Was wollten Sie mit dieser Dunkeltherapie erreichen?
Saskia: Ursprünglich wollte ich mich in meiner ganzen Größe und Tiefe kennenlernen. Ich wollte Antworten auf Fragen wie  „Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Was ist Leben? Was ist Tod? Gib es ein Leben nach dem Tod? Was ist Gesundheit?“. Ich wollte die spirituellen Dimensionen des Mensch-Seins und, damals noch ziemlich naiv und unbedarft, Gott erfahren.

Ist es Ihnen gelungen?
Saskia: 
Ich habe Dimensionen erfahren dürfen, die ich Göttlichem zuordnen würde. Es ist wie bei der Erforschung des Weltraumes: Es geht immer weiter und immer tiefer und jede Erfahrung ist sowohl Grundlage als auch Voraussetzung dessen, was danach kommt. Es ist ein Entfaltungs- und Erfahrungsprozess ohne Ende, der in immer tiefere Tiefe und immer weitere Weite führt.

Was haben Sie in der Dunkelheit gemacht?
Saskia: Mich den Herausforderungen gestellt, die pausenlos auf mich zugekommen sind. Da ich keine Ablenkungen hatte, war ich rund um die Uhr nur mit mir selbst konfrontiert. Der Mensch ist ein Wunder und je tiefer ich in meine Seele eingetaucht war, umso spannender. wurde es! Langeweile gab es nie.

Welche Ängste haben Sie während dieser Zeit durchgestanden?
Saskia: Ich hatte zwei zentrale Ängste: die Angst zu sterben und die Angst, verrückt zu werden, wenn ich etwas sehe, das es meinem bis dahin noch in großen Teilen westlich-materialistisch geprägten Menschenverstand nach nicht gibt – beispielsweise Geister.

Haben Sie während dieser Zeit Kontakt mit Verstorbenen oder anderen geistigen Wesen gehabt?
Saskia: Ja, ich hatte ich berührende Kontakte zu einigen verstorbenen Familienmitgliedern. Auch begegneten mir im Seelenreich, so komisch wie dies klingen mag, einerseits sehr eigentümliche Wesen, andererseits aber auch Wesen, die mich unwillkürlich an die Märchenwelt erinnerten. Tief beeindruckt und lange Zeit beschäftigt hatte mich der Besuch eines etwa 12-jährigen Mädchens mit langen gewellten Haaren. Es war so real und kam so unerwartet und überraschend in meinen Raum, dass ich, weil es meinem Verstand nach nicht da sein durfte oder konnte, große Angst bekommen habe.

Haben Sie Unterstützung von der Geistigen Welt gespürt?
Saskia: Im Moment meiner größten Verzweiflung war da etwas, was ich als große Hilfe und Unterstützung empfunden hatte. Ich vermute, dass mich die geistige Welt die ganze Zeit über unterstützt hat – ich konnte es damals nur noch nicht so wahrnehmen.

Haben Sie in der Dunkelheit geflucht?
Saskia: Ja, es gab eine Phase, wo ich ziemlich wütend war und in der Größe meiner Wut kaum wusste, wohin mit mir.

Geweint?
Saskia: Sogar stunden- und tagelang. Ich habe den ganzen bis dahin in mir aufgestauten Stausee abgelassen, was am Ende sehr erleichternd war.

Wie oft haben Sie daran gedacht, das Experiment abzubrechen?
Saskia: Ich glaube zweimal.

Haben Sie Selbstgespräche geführt?
Saskia: Pausenlos in den Phasen der Angst, um mich zu beruhigen. In der Dunkelheit werden all die Gedanken bewusst. Es war laut, ein pausenloses Geplapper. Millionen von Gedanken, die wie ein endloser Strom von Autos auf einer übervollen Autobahn vorbeiziehen. Erst unterhalb dieser Gedankenschicht taucht herrliche, in vollkommene Stille eingebettete Ruhe mit einem ganz bestimmten Klang auf.

Sind während der Dunkeltherapie gesundheitliche Probleme aufgetaucht?
Saskia: Es traten mehrere Symptome auf, die mein als Veterinärmedizinerin schulmedizinisch geschulter Verstand zum Teil als sehr grenzwertig und dringend abklärungswürdig einschätzen würde. Aus spiritueller Sicht waren alle Symptome Hinweise, Signale und Warnungen, die sich im Nichts auflösten, sobald ich die Botschaft verstanden und beachtet hatte. Das war und ist ein sehr interessanter Vorgang, der es verdient, mit medizinisch-wissenschaftlichem Verständnis, philosophischem Forschergeist und spirituellem Blick näher betrachtet und tiefer untersucht zu werden.

Wie hat Ihre Psyche auf die Dunkelheit reagiert?
Saskia: Stellen Sie sich vor, Sie fliegen zu einem vollkommen unbekanntem Planeten, um einige Zeit dort zu verbringen. Da Sie über keine Erfahrungen über die dortigen Gepflogenheiten und Gesetze verfügen, können Sie sich an nichts orientieren, was Ihnen von der Erde her bekannt ist. Wie wird die Psyche darauf eagieren? Die psychischen Reaktionen auf die vielen verschiedenen Situationen waren immer wieder anders. Sie lassen sich nicht in wenigen Sätzen beschreiben.

Was war das Schlimmste in der Dunkelheit?
Saskia: Die Angst, die Schmerzen und das Gefühl, jeden Moment durchzudrehen. Es gab Momente, wo ich den Begriff Hölle tief erfahren und verstanden habe. Im Nachhinein erwies sich das Schlimme jedoch als etwas Gutes: es war ein  Läuterungsprozess, der für mich zutiefst heilsam war.

Haben Sie auch Glücksgefühle oder gar Ekstase erfahren?
Saskia: Ja, beides durfte ich erfahren.

Welche Erfahrungen haben Sie in Ekstase gemacht?
Saskia: Als ich zu einem Häufchen Knochenmehl zerfiel, erfuhr ich mich als grenzenlos weit und zugleich nicht größer als ein Punkt. Das löste ein zutiefst verzückendes Gefühl aus, bei dem ich die gesamte Welt umarmte – ein sehr berührender Moment. Auch die Erfahrung von Ganzheit und Stille in Bewegung ging mit einem umfassenden Glücks- und Zufriedenheitsgefühl sowie der Erkenntnis einher, dass alles einen tieferen Sinn hat und alles, so wie es ist, genau richtig ist.

Welche wichtigsten Erkenntnisse haben Sie gewonnen?
Saskia: Bedingungslose Liebe heilt. Zwischen andere Menschen retten zu wollen und ihnen zu helfen besteht ein riesengroßer Unterschied. Es ist wichtiger, nach vorne zu schauen und mit Mut und Forschergeist weiterzugehen, statt zurückzublicken und am Alten festzuhängen. Dann dämmert mit der Zeit aus den Tiefen der Seele das Schöne, Wahre und Gute im Menschen herauf.

Haben Sie in der Dunkelheit mehr oder weniger als üblich geschlafen?
Saskia: Eindeutig weniger. Ich hatte auch häufig Phasen, wo ich meinte, über längere Zeit gar nicht geschlafen zu haben.

Sie wurden jeweils eine Stunde pro Tag von einem Begleiter besucht. Haben Sie sich nach dieser Begegnung gesehnt?
Saskia: In der Regel nicht, meistens war er auf einmal da, ohne dass ich auf ihn gewartet hätte. Es ist, so weit ich mich erinnere, nur zweimal vorgekommen, dass ich mir sehnlichst  gewünscht habe, dass mein Begleiter vorbei kommen möge. Einmal war ich in einer großen Krise, das andere Mal war ich in Ekstase und wollte mich ihm und der ganzen Welt mitteilen.

Wer war dieser Begleiter?
Saskia: Holger Kalweit, dipl.-Psychologe und Ethnologe, der sowohl den Schamanismus und die Kosmologie von Naturvölkern sowie Nahtod-Erlebnisse erforscht hat. Er bemüht sich um die Wiederentdeckung des Wissens alter Kulturen und hat sein Wissen in mehreren Büchern veröffentlicht.

Über was haben Sie mit ihm gesprochen?
Saskia: Über alles, was mich täglich bewegt hat und wo ich Hilfe gebraucht habe, um innere Knoten lösen zu können oder Denkanstöße zu bekommen, um Antworten auf meine Fragen zu finden.

Wie haben Sie die ersten Tage nach den Experimenten erlebt?
Saskia: Ich fühlte mich wie neugeboren und hatte den Eindruck, als hätte sich die Welt in der Zwischenzeit für mich herausgeputzt und extra schick gemachtt. Alles sah so sauber, rein und leuchtend aus, wie ich es nie zuvor erlebt hatte. Meine Wahrnehmungsfähigkeit war um ein Vielfaches höher und der normale Alltagsrummel war mir viel zu laut. Ich fühlte mich damit schlichtweg überfordert und mir wurde klar, wie ungesund vieles ist, was wir uns im Alltag zumuten. An Medien (Fernsehen, Radio) hatte ich von da an kein Interesse mehr.

Inwiefern haben diese Erfahrungen Sie und Ihr Leben verändert?
Saskia: Ich bin durch einen tiefen Wandlungsprozess gegangen und die Dunkeltherapie war ein Teil des gesamten Prozesses. Alles hat sich in meinem Leben verändert, nichts ist mehr so, wie es mal war. Das betrifft alle Lebensbereiche: meine sozialen Beziehungen, meine Weltanschauung, mein Lebens- und Körpergefühl und mein Verhalten anderen Menschen gegenüber. Auch meine Sicht auf Krankheit und Gesundheit hat sich grundlegend geändert, sodass ich die tiefe Vernetzung zwischen Körper, Geist und Seele und deren wechselseitige Beeinflussung mehr sehen und bei der Heilung besser berücksichtigen kann.

Würden Sie die Dunkeltherapie noch ein drittes Mal machen?
Saskia: Ich überlege mir, noch ein drittes Mal, für 49 Tage, in die Dunkelheit zu gehen. Doch bis jetzt ist die Zeit noch nicht reif dafür.

Saskia John hat ihre Erlebnisse im Buch „In den Tiefen meiner Seele – Erfahrungen in völliger Dunkelheit“ festgehalten. Das Buch ist im Herbst 2012 erschienen und im Fachhandel erhältlich. Weitere Informationen zur Autorin und Heilpraktikerin unter www.saskiajohn.de

 

 

Was denkst Du?

Bitte beim Thema bleiben.